Seckle Daniels Laufblog

30Sep/080

Rennbericht Berlin Marathon

Freitag der letzte Besuch beim Chiro. Am Samstag die letzte Nacken- und Rückenmassage. Die letzten Tage vor dem Marathon habe ich läuferisch absolut nichts gemacht. Ich hab mich nur geschont und dann ging es am Sonntag endlich los. Das Einlaufen war nur kurz. Ich konnte im zweiten Startsektor B, zeitgleich mit der Elite loslaufen. Was nicht heissen soll, dass ich Haile gesehen hätte. Trotzdem, als ich im Startsektor wartete fühlte ich mich grossartig.

Endlich der Startschuss. Ich wollte in der Anfangsphase auf eine Endzeit von 2:40h laufen und schauen ob ich die Pace von 3.47min/km halten kann. Bei Kilometer 12 spürte ich das erste Mal, dass ich so nicht weiterlaufen kann. Ich habe mich entschieden viel passiver zu laufen. Das heisst, ich habe mich hinter dem nächsten Läufer versteckt und mich in seinem Windschatten ausgeruht.

Das witzige ist, dass man dies in der Pulskurve sieht (Grafik unten).

Von Kilometer 12 bis 34 habe ich mich also stark "versteckt" und bin so passiv gelaufen wie noch nie! In Zürich musste ich schon ab der Halbmarathondistanz für mich alleine laufen, wenn ich die Pace halten wollte. Der Vorteil an Berlin mit 37'000 Startenden ist, dass es auch in meinem Lauftempo noch einige Läufer hat.

Das ich das Rennen ohne grösseren Einbruch zu Ende laufen konnte liegt auch daran, dass ich bereits früh, dass Tempo drosselte. Zum einen war dies wie bereits erwähnt bei Kilometer 12. Kurz vor Kilometer 28 kam die leichte Steigung mit rund 20 Höhenmeter über 2-3 Kilometer. In dieser Phase habe ich ein zweites Mal meine Gruppe ziehen lassen und mich neu orientiert.

Bei Kilometer 35 kam dann die Schlussphase. Ich konnte mich nun definitiv nicht mehr verstecken. Reihenweise kam die Mauer für viele Läufer um mich herum. Das war der Zeitpunkt wo ich mein eigenes Tempo lief. Die Uhr ist in dieser Phase schon lange kein Thema mehr. Hier läuft man nur noch so gut und schnell es geht. Mit etwas Erfahrung weiss man aber, dass die letzten 7 Kilometer nicht zu vernachlässigen sind. Ich wollte bis Kilometer 40 in der gleichen Intesität weiterlaufen und erst danach das Tempo Richtung Endspurt verschärfen.

Auf den letzten Kilometern dachte ich eigentlich noch, dass es eine Zeit zwischen 2:41 und 2:42 geben würde. Als ich dann aber auf den letzten Kilometer kam, hielt ich es für möglich noch unter 2:41 zu laufen. Beim Endspurt habe ich dann nochmals alles gegeben und bin Hand gestoppt genau mit 2:41h ins Ziel gekommen. Die offizielle Chipzeit war dann 2h 40m 57s (3.48min/km). So geil! Was hatte ich für Glücksgefühle im Ziel. Nach den letzten 3-4 Wochen war ich jetzt im siebten Himmel :-)

Jetzt da alles vorbei ist, fragt sich vielleicht der eine oder andere, warum man soviel in einen Wettkampf investiert? Das ist ganz einfach, Jeff Gallaway hat das treffend gesagt.

“There are no health benefits for running faster. It’s only for the ego.”

So, nun ist es raus. Ja, ich laufe nur meinem Ego zuliebe einer neuen Bestzeit hinterher. Jetzt freue ich mich schon auf den Frühling und einer neuen Gelegenheit diese Zeit nochmals zu unterbieten. Vorerst ist aber Laufpause angesagt...

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