Seckle Daniels Laufblog

27Apr/090

Rennbericht Zuerich Marathon 2009

Was für ein Tag! Ich hätte nicht gedacht, dass sich eine Sub 2:40h Zeit so anfühlt. Hätte ich im Voraus gewusst auf was ich mich Einlasse, ich könnte nicht sagen ob ich gekniffen hätte.

Am Sonntagmorgen fing noch alles harmlos an. Der Wecker läutete um 4:30 Uhr, wenig später ass ich ein wenig Weissbrot mit Honig. Die Butter ersparte ich mir...seufz. Danach hatte ich alle Zeit meine Sachen zu packen. Um 6:31 Uhr fuhr die S-Bahn Richtung Zürich. Im Zug schon jede Menge Läufer/innen. Bin wohl nicht der Einzige der heute Morgen einen Marathon läuft! Kaum fährt der Zug ab kommt mir in den Sinn, dass ich die Kompressionssocken vergessen habe. Arghh...aber was solls, sag ich mir. Die letzten 3 Wochen bist Du auch ohne diese Strümpfe gerannt.

Einmal in Manegg angelangt gebe ich meinen Kleidersack ab, laufe mich bis Start ein und gehe noch einmal auf die Toilette. Jetzt bin ich Startbereit. Ich reihe mich weit vorne ein und warte auf den Startschuss. Ein Blick auf die Pulsuhr zeigt einen Puls von 60 an! Hmm... ist der wegen dem Übertraining so tief?

PÄNG! Endlich geht es los. Ein Tempo von 4min/km habe ich mir für die ersten 4 Kilometer vorgenommen. Der fehlende Wind sorgt dafür, dass sich schon die ersten Schweissperlen auf meiner Stirn bilden. Zügig geht es kurze Zeit später dieselbe Tunnelröhre wieder hinunter. Ich laufe weiterhin nach Gefühl. Bei Kilometer 10 bin ich schon gut 1 Minute vor meinem Zeitplan. Hmm...das war wohl etwas zu schnell. Ich probiere auf den folgenden Kilometer das richtige Tempo zu finden. Ab Kilometer 12 folgen 3 Kilometer mit einem Schnitt von 3:49min/km. Das ist zu langsam! Mein Rennplan sieht ein Schnitt von 3:46min/km vor. Ich werde bereits ein erstes Mal unruhig. Der Gedanke, dass dies heute nicht mein Tag wird kreuzt auf. Fast ein wenig wütend sag ich mir, um 3:49min/km zu laufen hab ich mich nicht fast 4 Monate auf diesen Tag vorbereitet. Ich löse mich von der Gruppe und laufe die nächsten Kilometer alleine. Der Schnitt pendelt sich bei 3:45min/km ein. Trotzdem bin ich nicht allzu zuversichtlich. Das Rennen fühlt sich viel zu hart an. Ob das gut gehen wird? Ich vermute, der Hammermann wird sich dann schon melden, ich ignoriere mein Gefühl und drücke weiterhin auf das Tempo.

Bei Kilometer 24 schliesse ich auf zwei Läufer auf, die ich lange immer etwas vor mir hatte. Eigentlich dachte ich, dass ich jetzt im Windschatten ein paar ruhige Kilometer vor mir hätte, doch muss ich feststellen, dass ich nur unter grosser Anstrengung an den beiden dranbleiben kann. So geht es weiter bis Kilometer 30. Ilias, der einte dieser Läufer löst sich von der Gruppe und läuft vorne weg. Im Zweier-Team laufen wir gut zwei Kilometer hintennach. Jetzt geht aber dem anderen auch etwas die Luft raus, das Tempo verlangsamt sich. Erneut stellt sich mir eine schwierige Frage. Bis jetzt war es schon ein hartes Rennen, aber jetzt soll ich wieder alleine Tempo bolzen? Was bleibt mir anderes übrig? Ich konzentriere mich auf jeden einzelnen Kilometer und probiere das Tempo zu halten. Irgendwie scheint das zu funktionieren. Bei Kilometer 35 fängt noch das Seitenstechen an, trotzdem kann ich das Tempo von ca. 3:46min/km halten. Die letzten Kilometer sind die härtesten. Ilias hole ich wieder ein. Ich konzentrier mich nur von Kilometer zu Kilometer. Zurück in Zürich bringen mich die Zuschauer fast aus dem Konzept. Ich brauche ein paar Minuten um mich von all den Hopp rufen wieder auf mich selber konzentrieren zu können. Am Schluss ziehe ich das Tempo bis ins Ziel durch und laufe mit 2:37.43,6h ein. Ich bin total fertig und sooo froh, den Qualen endlich ein Ende setzen zu können!!! Die nächsten Minuten geniesse ich in vollen Zügen. Ich schaue zurück und freue mich die einlaufenden ins Ziel springen zu sehen. Es treffen nur glückliche Gesichter ein!

Auf dem Heimweg reflektiere ich nochmals das geschehene. Ich bin immer noch überrascht wie hart das Rennen war. Mental stimmte bei diesem Lauf alles. Sicherlich 30% der Leistung hat an diesem Tag der Kopf ausgemacht.

Mein Saisonziel ist erreicht und ich freue mich etwas mehr Zeit auch für andere Sportarten zu haben. Trotzdem wird in ein paar Wochen der Drang zum Laufen sicherlich wieder kommen. Mein nächster Marathon wird der Lucerne Marathon 2009 sein wo ich als Pacemaker starten werde. Bin jetzt schon froh, dass dieser Lauf nicht so hart sein wird.

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